„Modellstadt Friedberg“ - Japanisches Fernsehen dreht in Friedberg zum Thema Integration

Wetteraukreis (pdw) Lernen bedeutet auch zu schauen, was andere machen. Wie Integration in Deutschland gelingen kann, zeigt ein Filmteam anhand von unterschiedlichen Beispielen in Friedberg im Auftrag des japanischen Fernsehens.

Das Team drehte unter anderem an der vhs wetterau, bei der Stadt Friedberg und war mit dem Kreisausländerbeauftragten unterwegs.

 

Der Beitrag geht der Frage nach, was Japan von Deutschland lernen kann. Wo hierzulande Integration von Neuzugewanderten seit Jahrzehnten Bestandteil der Gesellschaft ist, hat Japan als eher isolierter Inselstaat weniger Erfahrungen mit diesem Thema. Demografischer Wandel und Fachkräftemangel sorgen in Japan für ein Umdenken der traditionellen Politik der Abschottung und es wird über neue Einwanderungsgesetze gesprochen.

Landrat Jan Weckler freut sich über das internationale Interesse an der Region: „Wir freuen uns, den Menschen in Japan zeigen zu dürfen, wie Integration bei uns gelingt. Sprache ist der Schlüssel, doch auch darüber hinaus wird in der Wetterau vieles für eine gute Integration zugewanderter Bürger/innen getan.“

Wenn Menschen neu in ein fremdes Land kommen, ist der Spracherwerb eines der ersten und wichtigsten Schritte hin zu einer Teilhabe in der Gesellschaft. Hier führt es die Menschen in Deutsch-Integrationskurse. Die größte Anbieterin von Integrationskursen in der Wetterau ist die Volkshochschule (vhs). Dort drehte das Filmteam in einem Deutsch-Integrationskurs. Diese Kurse dauern circa 12 Monate, umfassen 700 Unterrichteinheiten und schließen mit dem „Deutschtest für Zuwanderer“ und dem Test „Leben in Deutschland“ ab. An der vhs gibt es inzwischen auch reine Online-Integrationskurse. Durch das Zuwanderungsgesetz von 2005 wird die Teilnahme an Integrationskursen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert; für manche Teilnehmende ist der Besuch verpflichtend. Da es in Japan kein vergleichbares Gesetz gibt, war dies für den Beitrag ebenfalls ein wichtiger Baustein. Während des Drehs konnten einzelne Teilnehmer/innen des Integrationskurses über ihre Erfahrungen zum Thema Deutsch lernen und die Bedeutung der Kurse für ihr Ankommen in der Wetterau berichten.

Der nächste Dreh führte das Kamerateam zur Stadt Friedberg und Bürgermeister Dirk Antkowiak. Für die Stadt Friedberg ist die Einbindung von Neubürger/innen seit Jahren wichtig: „Nicht erst seit der Flüchtlingskrise wissen wir von der Bedeutung der Integration der Neuzugewanderten. Für uns in Friedberg ist es wichtig, dass die Bürger/innen der Stadt friedlich miteinander leben können“, so Bürgermeister Dirk Antkowiak. Daher habe die Stadt auch dem Antrag des Ausländerbeirats auf einen muslimischen Friedhof zugestimmt und diesen eingerichtet.

Recep Kaplan, Ausländerbeauftragter der Stadt Friedberg und des Wetteraukreises, sieht darin einen wichtigen Beitrag für die Integration in der Stadt, denn: „dank des Friedhofs können die muslimischen Mitbürger/innen, die in der Stadt leben, auch hier ihre letzte Ruhe finden“.

In Japan findet aktuell eine Debatte zum Thema Bestattung von Muslimen nach muslimischem Ritual statt. Dem Filmteam war es wichtig, mit dem muslimischen Friedhof in Friedberg ein positives Beispiel für ein derartiges Projekt zu zeigen.

Es begleitete Kaplan auf den Friedhof und auch in Friedbergs Moschee. Dort filmten sie unter anderem ein Gebet. Kaplan freut sich, dass Muslime ihre Religion in Friedberg friedlich ausleben können. Er berichtete ihnen ebenfalls von seiner Funktion als Kreisausländerbeauftragtem und der Arbeit als Schnittstelle von persönlichen Belangen einzelner und der lokalen gesellschaftlichen Öffentlichkeit.

Nicht allein deshalb gilt Friedberg für die Journalist/innen des japanischen Fernsehens als Modellstadt, berichtet Kathrin Hysky. Die Japanologin und ihr Mann führen ein Journalistenbüro in Butzbach und drehen häufig im Auftrag des japanischen Fernsehens. Für sie bot es sich sofort an in Friedberg zu drehen. „Friedberg hat alles, was man für eine gelungene Integration braucht – für die Japaner ist Friedberg eine Modellstadt“, so Hysky.

Unter diesem Gesamteindruck wird der Beitrag vom Team zusammengestellt und an den Auftraggeber in Japan gesendet. Die Kreisstadt Friedberg wird auf diese Weise als positives Beispiel für gelungene Integration und neue Wege im nationalen japanischen Fernsehen präsentiert.

Der Beitrag des Filmteams „Makasete“ wird beim Sender „Japan Broadcasting Corporation“ (NHK) ausgestrahlt und auch online verfügbar sein.

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Von links: Recep Kaplan, Ausländerbeirat in Friedberg und Ausländerbeauftragter des Wetteraukreises, Landrat Jan Weckler, Olga Schramm, Fachbereichsleitung Deutsch als Zweitsprache vhs wetterau, Daniel Schütz, Leiter der vhs wetterau, Kathrin Hysky und Michael Schlag des Kamerateams Makasete.